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Rocket Lab empört über NASAs Entscheidung zum Mars-Raumfahrzeug

Aktualisiert: 15.09.2026 · 3 Min. Lesezeit · 578 Wörter

Veröffentlicht: · Meldung erreichte uns: · Verarbeitungszeit: 49 Min.

Rocket Lab empört über NASAs Entscheidung zum Mars-Raumfahrzeug
Kommunikationssatellit im Marsorbit

Rocket Lab hat Einspruch dagegen eingelegt, dass NASA Blue Origin für die Ausschreibung zum „Mars Telecommunications Network“ ausgewählt hat. NASA vergab an Blue Origin einen Vertrag im Wert von $700 Millionen für ein Raumfahrzeug, das für den Einsatz am Mars entwickelt, gestartet und betrieben werden soll. Rocket Lab wandte sich am Freitag an das US Government Accountability Office und argumentierte, die Entscheidung widerspreche den vom Kongress vorgeschriebenen Eignungskriterien und die Prüfung seines technischen Angebots sei benachteiligend und inkonsistent gewesen. Blue Origin erklärte hingegen, der Einspruch könne den für 2028 geplanten Start verzögern und wegen der begrenzten Mars-Startfenster die rechtzeitige Bereitstellung kritischer Kommunikationskapazitäten gefährden.

Das Programm wurde mit zusätzlichen NASA-Mitteln eingerichtet, die im Rahmen des 2025 vom Kongress verabschiedeten „One Big Beautiful Bill“ bereitgestellt wurden. Die wegen der alternden Mars-Orbiter begrüßte Regelung wurde unter der Federführung von Sen. Ted Cruz (R-Texas) ausgearbeitet. Der Text schrieb vor, den Auftragnehmer unter US-Unternehmen auszuwählen, die 2024 oder 2025 von der Regierung Mittel für kommerzielle Designstudien zum Mars Sample Return erhalten und einen separat und unabhängig gestarteten Mars-Kommunikationsorbiter vorgeschlagen hatten, der die vollständige Probenrückführungsmission unterstützt. Damit kamen Rocket Lab, Blue Origin, L3Harris, Lockheed Martin, Northrop Grumman, SpaceX, Quantum Space und Whittinghill Aerospace als geeignete Kandidaten infrage.

Quellen auf dem Capitol Hill zufolge sollte die Formulierung „vollständig“ das Angebot von Rocket Lab begünstigen; auch das Unternehmen ging in seinem Investoren-Update für Q2 2025 davon aus, als Einziges ein geeignetes Angebot abgegeben zu haben. Für den allgemeinen Text war das Büro von Cruz verantwortlich, für die Formulierungen zu diesem Programm hingegen Sen. Roger Wicker (R-Miss.).

Warum sich NASA für die Blue-Ring-Technologie von Blue Origin entschieden hat, ist unklar. Es wird darauf hingewiesen, dass die Behörde möglicherweise nicht darauf vertraute, dass Rocket Lab sein Raumfahrzeug und die Neutron-Rakete bis Ende 2028 fertigstellen kann, oder Blue Ring als besser für ihre Anforderungen geeignet ansah. NASA hat das Dokument „source selection statement“, in dem die technischen Gründe erläutert werden, jedoch auch rund zwei Wochen nach der Entscheidung noch nicht veröffentlicht.

Das Verfahren bleibt aufgrund der technischen Angebote, politischen Manöver und der Wortgefechte der beiden Unternehmen in den sozialen Medien undurchsichtig. Diese Ausschreibung ist das erste Beispiel dafür, dass NASA die Entwicklung und den Start eines Raumfahrzeugs sowie den Betrieb eines Netzwerks im Umfeld eines anderen Planeten per Festpreisvertrag an ein US-Unternehmen vergeben hat. Blue Origin verfügt vorerst über einen Vorreitervorteil bei künftigen Erkundungsmissionen von NASA im Sonnensystem.

Warum das wichtig ist

Der Streit kommt einer Kontrolle des öffentlichen Beschaffungsverfahrens darüber gleich, nach welchen Kriterien die angesichts der alternden Marsorbiter benötigte Kommunikationskapazität aufgebaut werden soll. Im Mittelpunkt der Prüfung durch GAO steht, wie NASA die vom Kongress festgelegten Bedingungen für US-Unternehmen ausgelegt hat, die 2024 oder 2025 Fördermittel erhielten, und ob die Behörde bei der technischen Bewertung konsistent vorgegangen ist. Dass das Dokument „source selection statement“ mit der Begründung der Entscheidung auch nach rund zwei Wochen noch nicht veröffentlicht wurde, lässt offen, welche technischen Aspekte bei der Abwägung zwischen Blue Ring und dem Raumfahrzeug von Rocket Lab sowie der Neutron-Rakete ausschlaggebend waren. Dass beim Festpreismodell erstmals die Entwicklung, der Start und der Betrieb eines Netzwerks im Umfeld eines anderen Planeten einem US-Unternehmen übertragen werden, verknüpft das Ergebnis nicht nur mit den derzeitigen Kandidaten, sondern auch mit dem Ansatz von NASA für kommerzielle Partnerschaften bei der Erkundung des Sonnensystems.

Hintergrund

NASA ist im FikirPilot-Archiv kein neuer Name: In den vergangenen 90 Tagen haben wir 32 Nachrichten veröffentlicht, in denen dieser Name vorkam; die jüngste davon stammt vom 14. September 2026.

Quelle: Ars Technica