OpenAI erklärte, das seit etwa 90 Jahren ungelöste Navier-Stokes-Problem gelöst zu haben. Das Problem der Strömung von Flüssigkeiten und Gasen ist eines der sieben Millennium Prize Problems, für dessen Lösung ein Preisgeld von 1 Million Dollar ausgelobt ist. In einer Mitteilung vom 8. September 2026 teilte das Unternehmen mit, dafür 10,000 gleichzeitig arbeitende Agenten sowie ein internes KI-Modell verwendet zu haben, das leistungsfähiger als GPT-6 Astra sei. Es hieß, das Training des Modells habe am 28. August begonnen und es habe in der Mathematik eine beispiellose Leistung gezeigt. OpenAI plant nicht, den Preis entgegenzunehmen.
Die Erklärung löste jedoch eine Kontroverse aus. Der Mathematikprofessor Tristan Buckmaster von der New York University und der Anthropic-Forscher Levent Alpöge veröffentlichten einen Tag vor der Mitteilung von OpenAI ihre Ergebnisse zu einem verwandten Problem. Buckmaster sagte, OpenAI habe einen Beweis erstellt, der auf einem von seinen eigenen Teams unter Verwendung von Codex und Claude entwickelten Ansatz beruhe, und er habe das Unternehmen zu den Fortschritten kontaktiert. Außerdem habe er gefragt, ob OpenAI Zugriff auf seine Entwürfe in Codex-Sitzungen gehabt habe. Ihm sei geantwortet worden, dass nicht auf Nutzerdaten zugegriffen worden sei; zur Verwendung der Daten für das Training habe er jedoch keine Antwort erhalten.
OpenAI erklärte, für die Lösung sei nicht auf bestimmte Nutzerdaten zugegriffen worden. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass de-identifizierte Daten aus der Produktnutzung zur Weiterentwicklung der Modelle beigetragen hätten. Sébastien Bubeck verteidigte die Position, dass die Teams die Arbeit vor ihrer Veröffentlichung nicht gesehen hätten und die Beweise unterschiedlich seien. Buckmaster behauptete dagegen, OpenAI habe eingeräumt, Trainingsdaten verwendet zu haben, die nach ihren Ergebnissen gewonnen worden seien.
Warum wichtig
Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob Systeme der künstlichen Intelligenz nicht nur als Rechenwerkzeuge, sondern auch als Akteure betrachtet werden können, die in der mathematischen Forschung Lösungen hervorbringen. Die Anerkennung einer solchen Behauptung hängt jedoch davon ab, dass die vorgelegten Belege von unabhängigen Mathematikern geprüft und die Erfüllung der Kriterien des Problems festgestellt werden. Eine weitere Dimension der Debatte betrifft die Frage, wie der akademische Beitrag definiert werden soll, wenn es darum geht, auf welchen Arbeiten und Werkzeugen das Ergebnis entwickelt wurde. Obwohl OpenAI erklärt hat, dass nicht auf bestimmte Nutzerdaten zugegriffen worden sei, schließt das Unternehmen die Möglichkeit nicht aus, dass de-identifizierte Nutzungsdaten zur Entwicklung der Modelle beigetragen haben könnten. Damit bleiben die Herkunft der Belege und die Nutzung der Daten offen. Aus diesem Grund betrifft die Angelegenheit akademische Kreise nicht nur im Hinblick auf das mathematische Ergebnis, sondern auch hinsichtlich der Verifizierung, der Transparenz und der Anerkennung der Beiträge von Forschern.
Hintergrund
OpenAI ist im FikirPilot-Archiv kein neuer Name: In den vergangenen 90 Tagen haben wir 30 Nachrichten veröffentlicht, in denen dieser Name vorkam; die jüngste davon datiert vom 11. September 2026.