Während der Handelskrieg mit den USA andauert, setzt sich Donald Trump dafür ein, dass Kanada zum „51. Bundesstaat“ wird. Premierminister Mark Carney will dagegen angesichts der ausbleibenden Fortschritte bei den Verhandlungen die wirtschaftlichen und strategischen Beziehungen zu Europa stärken. Laut WSJ wies Carney Kanadas EU-Sonderbeauftragten John Hannaford an, Optionen außerhalb einer Vollmitgliedschaft zu prüfen, darunter auch die Möglichkeit eines „assoziierten EU-Mitglieds“.
Ottawa und Brüssel erörtern neben der Integration in den Bereichen Energie, künstliche Intelligenz, kritische Mineralien, Verteidigung und Technologie auch Unterseekabel, Rechenzentren, Satellitennetzwerke, wissenschaftliche Zusammenarbeit, Pipelines für den Transport von Erdgas nach Europa, visumfreies Leben und Arbeiten sowie die Teilnahme am Studentenaustauschprogramm der EU.
Dass rund zwei Drittel der kanadischen Exporte in die USA gehen, erschwert es der EU, Washington zu ersetzen. Carney sagt, in den Beziehungen finde „kein Übergang, sondern ein Bruch“ statt. Einige europäische Vertreter befürchten, Ottawa könnte die EU als Verhandlungsinstrument einsetzen, während manche Staats- und Regierungschefs wegen der Reaktion der USA besorgt sind. Erfolgreiche Gespräche könnten Kanada der EU näherbringen als jedes andere Land außerhalb Europas.
Warum wichtig
Diese Suche zeigt Kanadas Bemühungen, seine außenwirtschaftlichen Beziehungen aus der übermäßigen Abhängigkeit von einem einzigen Markt zu lösen, sowie den Wunsch, die Themen Sicherheit und Technologie zu Bestandteilen der Handelsgespräche zu machen. Eine mögliche Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, kritische Mineralien, künstliche Intelligenz und Verteidigung macht deutlich, dass der Prozess nicht auf Zollregelungen beschränkt bleiben dürfte. Themen wie Unterseekabel, Rechenzentren und Satellitennetzwerke deuten darauf hin, dass sich die Beziehungen zwischen Kanada und Europa auch auf Infrastruktur und Datensicherheit erstrecken könnten. Optionen für visumfreies Leben und Arbeiten sowie für den Studentenaustausch zeigen, dass diese Entwicklung neben Unternehmen auch Arbeitnehmer und Studierende betreffen könnte. Kanadas derzeitige Abhängigkeit von den USA, die Frage, in welchem Umfang Europa diese Lücke schließen könnte, sowie die mögliche Reaktion Washingtons bleiben jedoch offen.