Die chinesische Regierung hat Charlotte Brontës Roman Jane Eyre aus dem Jahr 1847 ab diesem Herbst auf die Pflichtlektüre-Liste für Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse gesetzt. Die Schülerinnen und Schüler werden das Werk von Anfang bis Ende lesen; zuvor wurde der Roman lediglich empfohlen.
Das in China beliebte Werk zeichnet sich durch die Themen Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie Unabhängigkeit aus. Der Roman, dessen erste chinesische Übersetzung 1925 veröffentlicht wurde, wurde auch für Theater und Kino adaptiert.
Professor Ping Zhu von der University of California erklärte, das Werk stehe im Einklang mit dem Verständnis der Regierung von der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die neben traditionellen Geschlechterrollen bestehen könne. Zhu sagte, die Entscheidung falle zeitlich mit politischen Maßnahmen zusammen, die junge Menschen angesichts des Bevölkerungsrückgangs zu Heirat und Kinderwunsch ermutigen sollen.
Der Roman erzählt die Liebesgeschichte der verwaisten Jane Eyre und Mr Rochester, dem Besitzer des Anwesens, in dem sie als Gouvernante arbeitet. Global Times verteidigte die Entscheidung als Erfolg des kulturellen Austauschs.
Warum das wichtig ist
Die Aufwertung des Status des Romans im Lehrplan zeigt, dass die Auswahl von Literatur in China auch mit gesellschaftlichen und politischen Zielen in Verbindung gebracht werden kann. Während die Themen der Unabhängigkeit von Frauen sowie der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Jane Eyre mit dem Gleichheitsverständnis der Regierung in Einklang gebracht werden, wird zugleich betont, dass dieser Ansatz neben traditionellen Geschlechterrollen bestehen könne. Deshalb wirft die Entwicklung für diejenigen, die Bildungspolitik und Bevölkerungspolitik verfolgen, die junge Menschen zu Heirat und Kinderwunsch ermutigt, die Frage auf, wie eine kulturelle Entscheidung mit diesen Zielen in Einklang gebracht wird. Die Darstellung der Entscheidung als Erfolg des kulturellen Austauschs stärkt die Stellung eines in China seit Langem bekannten und in verschiedene Bereiche adaptierten Werks im Bereich der staatlichen Bildung. Offen bleibt jedoch, wie die Schülerinnen und Schüler den Roman und seine Geschlechterthemen interpretieren werden, wenn er verpflichtend gelesen wird.