Der Text vertritt die Auffassung, dass Putsche wie Diktaturregime, die die Menschenwürde verletzen, sogar in mancher Hinsicht schwerwiegendere Folgen haben. Während in einer Diktatur sowohl die Beschaffenheit der Macht als auch die Frage, gegen wen gekämpft wird, klar sind, wird darauf hingewiesen, dass Putsche das Wahlrecht und das Recht, gewählt zu werden, den Machtwechsel durch die Wahlurne sowie den Willen des Volkes durch bewaffnete Intervention außer Kraft setzen.
Der 12. September wird als eines der schmerzhaftesten Beispiele für diese Situation angeführt. Es wird dargelegt, dass die Putschregierung neben der Politik auch ihr eigenes Verständnis von Gerechtigkeit durchsetzte, und dass Kenan Evren mit seiner Aussage „Wir haben einen von rechts und einen von links hingerichtet“ sein Verständnis eines politischen Gleichgewichts zum Ausdruck brachte. Es wird betont, dass die im Namen der Republik, des Laizismus und des Fortbestands des Staates vorgenommenen Maßnahmen diese Werte nicht schützten, sondern den Willen des Volkes und die Freiheiten beeinträchtigten.
Auch während der Zeit des 28. Februar sei im Namen des Laizismus ein Teil der Gesellschaft unter Druck gesetzt worden; der Laizismus sei zu einem Instrument gemacht worden, mit dem eine bestimmte Lebensweise aufgezwungen wurde. Während betont wird, dass sich die Türkei heute von den Grundlagen des 12. September, des 28. Februar und des 15. Juli entfernt hat, wird zugleich hervorgehoben, dass man angesichts der Annahme, die putschistische Denkweise sei vollständig beseitigt, wachsam bleiben und eine Bevormundung des Willens des Volkes nicht zulassen müsse.
Warum wichtig
Die Bedeutung des Textes liegt darin, dass er militärische Interventionen nicht nur als politische Brüche der Vergangenheit behandelt, sondern auch im Hinblick auf das Wahlrecht und den Wechsel der Regierung durch Wahlen. Die Bewertungen des 12. September und des 28. Februar rücken die Frage in den Mittelpunkt, wie Begründungen wie der Schutz des Staates, der Laizismus und das politische Gleichgewicht während der Putschperioden ausgelegt wurden, um Freiheiten einzuschränken. Dieser Rahmen mahnt zur Vorsicht bei der Frage, ob die Debatte über die Bevormundung nach dem 15. Juli als vollständig abgeschlossen betrachtet werden kann. Der Gastbeitrag von Nabi Kırmızı, Autor bei Independent Türkçe, stützt sich jedoch eher auf Kommentare und Einschätzungen zu historischen Ereignissen als auf überprüfbare objektive Daten; die darin vermittelten Schlussfolgerungen sollten daher als Teil des Deutungsrahmens des Autors und nicht als unabhängige, journalistisch belegte Erkenntnisse gelesen werden.