Der 30-jährige Myanmarer Ye Lin erstellte ein gefälschtes Krokodilbild, das den Eindruck erweckte, im Pandan-Teich in Singapur aufgenommen worden zu sein, und schickte es nur an einen Freund. Nachdem sich das Bild im Internet verbreitet hatte, sperrten die Behörden das Gebiet und leiteten eine zweitägige Suche nach dem für echt gehaltenen Krokodil ein; auch die Aktivitäten auf dem Teich wurden abgesagt. Als das Krokodil nicht gefunden werden konnte, wurde klar, dass das Bild mit künstlicher Intelligenz erstellt worden war, und der Teich wurde wieder geöffnet. Als Ye Lin von den Ermittlungen erfuhr, löschte er das Bild und seinen Gemini-Verlauf. Auf die Anklage wegen „Übermittlung einer irreführenden Nachricht“ stehen bis zu 3 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 10 Tausend Dollar, auf die Anklage wegen „Behinderung der Justiz“ bis zu 7 Jahre Haft. Ye Lin drohen insgesamt bis zu 10 Jahre Haft.
Warum wichtig
Der Vorfall zeigt, dass ein einziges mit künstlicher Intelligenz erstelltes Bild nicht nur online ein Missverständnis auslösen, sondern auch die Zeit von Beamten und die Pläne der Teichnutzer beeinträchtigen kann. Dass das Bild nur an einen Freund geschickt wurde, beseitigt nicht die möglichen Folgen einer unkontrollierten Verbreitung des Inhalts. Dass die Ermittlungen zu Anklagen geführt haben, deutet darauf hin, dass irreführende digitale Inhalte und Verhaltensweisen, die den Justizprozess beeinflussen, unter unterschiedlichen rechtlichen Gesichtspunkten bewertet werden können. Deshalb betrifft die Entwicklung sowohl Personen, die KI-Tools nutzen, als auch diejenigen, die solche Inhalte ungeprüft weiterverbreiten. Die zentrale offene Frage lautet, unter welchen Bedingungen die rechtliche Verantwortung von Nutzern entsteht, wenn realistisch wirkende KI-Bilder verbreitet werden.