Die indische Telekommunikationsaufsichtsbehörde (TRAI) hat die Regeln für kommerzielle Kommunikation geändert und damit verpflichtend gemacht, dass Anruferkennungs- und Anrufverwaltungsanwendungen die Spam- oder unerwünschten Anrufmeldungen der Nutzer an eine von Telekommunikationsbetreibern betriebene, blockchainbasierte Plattform weiterleiten. Die Plattform verfolgt die kommerzielle Kommunikation und stellt die Durchsetzung der Anti-Spam-Regeln sicher. TRAI erklärte, die Änderung werde den Pool an Meldungen erweitern, auf dessen Grundlage gegen Spammer vorgegangen werden könne.
Truecaller bezeichnete die Regelung hingegen als eine „einseitige“ und „wettbewerbswidrige“ Praxis, die dazu führe, dass Daten mit kommerziellem Wert von Anrufverwaltungsanwendungen an Betreiber übertragen würden. Indien ist der größte Markt des in Stockholm ansässigen Unternehmens; in dem Land befinden sich mehr als 350 Millionen der weltweit über 500 Millionen monatlich aktiven Nutzer von Truecaller. Das Unternehmen identifiziert und blockiert Spam-Anrufe anhand von Meldungen aus der Community, automatischer Erkennung und anderen Signalen.
Dem Februar-Bericht von Truecaller zufolge waren Nutzer in Indien 2025 mit etwa 42 Milliarden Spam-Anrufen konfrontiert, einschließlich solcher, die blockiert, gekennzeichnet oder nicht beantwortet wurden. Das Unternehmen erklärte, im selben Jahr etwa 12 Milliarden Spam-Anrufe blockiert zu haben.
Die neuen Regelungen verbieten weiterhin, dass Werbe-, Service- und Transaktionsanrufe aus bestimmten Nummernserien von Anrufverwaltungsanwendungen pauschal blockiert, gefiltert oder als Spam gekennzeichnet werden. Nutzer können diese Anrufe auf ihren eigenen Geräten blockieren. Truecaller argumentiert, dass diese Ausnahme den Spam erhöhe, teilte jedoch mit, die Regel seit dem Ende des vergangenen Jahres einzuhalten.
Experten erklärten, dass weiterhin unklar sei, welchen Meldestandards die Anwendungen entsprechen müssen, wie die Regel auf Unternehmen angewendet wird, die keine Telekommunikationsanbieter sind, und welche Daten geteilt werden. Der Entwurf vom März schlug vor, die Verpflichtung durch Indiens IT-Gesetze durchzusetzen; ob dies in den endgültigen Regelungen beibehalten wurde, wurde jedoch nicht erläutert. TRAI beantwortete auch keine Fragen dazu, ob die Spam-Meldefunktionen von Betriebssystemen wie Android und iOS sowie von Anrufanwendungen ebenfalls in den Geltungsbereich fallen.
Die Änderungen beziehen auch automatisch getätigte Anrufe in den Rahmen für application-to-person (A2P) ein:
- Robocalls
- vorab aufgezeichnete Sprachanrufe
- Anrufe mit künstlich erzeugter Stimme
Unternehmen, die diese Systeme nutzen, müssen ihre Nutzung und die betreffenden Nummern den Telekommunikationsanbietern vorab melden; nicht gemeldete A2P-Anrufe gelten als Spam. Die Anbieter dürfen für A2P-Anrufe höchstens 5 Paise pro Minute (etwa 0,052 Cent) als Terminierungsentgelt erheben; Anrufe aus bestimmten Nummernserien sind davon ausgenommen.
Warum das wichtig ist
Die Regelung verschiebt das Gleichgewicht bei der Bekämpfung von Spam-Anrufen zugunsten der Telekommunikationsanbieter – sowohl bei der Frage, wie Nutzermeldungen gesammelt werden, als auch beim Zugang zu diesen Daten. Dies betrifft unmittelbar die Funktionsweise von Truecaller und seine Position bei kommerziell wertvollen Daten, insbesondere aufgrund seiner Nutzerbasis und seiner Systeme zur Anruferkennung in Indien. Für Unternehmen, die automatisierte Anrufe tätigen, bringen die Pflicht zur Vorabmeldung, die Einstufung nicht gemeldeter Anrufe als Spam und das Terminierungsentgelt neue Compliance-Anforderungen mit sich. Die Grenzen sind jedoch im Hinblick auf die Funktionen der Anwendungen unter Android und iOS, auf Unternehmen, die keine Anbieter sind, sowie auf den Umfang der zu teilenden Daten noch nicht klar; damit bleibt offen, wie die Regel durchgesetzt werden soll und in welchem Verfahren die Meldungen der Nutzer bewertet werden.
Hintergrund
Indien ist im FikirPilot-Archiv kein neuer Name: In den letzten 90 Tagen haben wir 2 Nachrichten veröffentlicht, in denen dieser Name vorkam; die jüngste stammt vom 12. September 2026.