Während humanoide Roboter sich darauf vorbereiten, auf der Technologiemesse IFA in Berlin ihre Fähigkeiten zu präsentieren, wird darüber diskutiert, wie nützlich lebensgroße Roboterhelfer im Haushalt tatsächlich sind. Auf der CES waren Dutzende humanoide Roboter vorgestellt worden, darunter auch Modelle für Privathaushalte. Das US-Unternehmen 1X hat damit begonnen, seinen $20.000 teuren Roboter Neo, der in hohem Maße auf Unterstützung aus der Ferne angewiesen ist, in Haushalten zu testen. Doch die unordentliche und unvorhersehbare Beschaffenheit von Wohnungen, Treppen sowie die Sicherheitsrisiken, die von schweren Maschinen ausgehen können, machen humanoide Roboter wenig praktikabel.
Jennifer Pattison Tuohy, die Saug-, Wisch- und Rasenmähroboter sowie Geräte zur Reinigung von Katzenstreu und zum Kochen getestet hat, zufolge ist es auch schwierig, dass eine einzige Maschine zahlreiche Aufgaben erfolgreich erledigt. Keiner der humanoiden Roboter, denen sie auf der CES begegnete, konnte eine Flasche Waschmittel öffnen; die Hersteller erklärten, dafür sei zunächst ein Training erforderlich.
Eine praktikablere Option könnte ein KI-gestütztes „Robotergehirn“ sein, das die autonomen Geräte im Haushalt steuert. Ein solches System könnte erkennen, dass Hundefutter verschüttet wurde, und den Saugroboter starten, die Waschmaschine einschalten, wenn Energie günstiger ist, oder bei Bedarf den Rasenmähroboter beauftragen. Samsungs nicht auf den Markt gebrachter Roboter Ballie und das Modell CLOiD von LG basieren auf diesem Ansatz. Auch Amazon Alexa Plus und Google Gemini for Home verfolgen ähnliche langfristige Ziele, doch bislang ist keines von ihnen diesem Punkt nahegekommen.
Tuya wird auf der IFA den KI-gestützten Heimassistenten Doova vorstellen, der sich an ältere Menschen richtet, die allein leben. Der kleine, rollende Roboter ohne Arme verwendet „dynamische Gesichtsausdrücke“, kann seinem Besitzer im Haus folgen, im Notfall Hilfe leisten und bei ausbleibender Antwort einen Videoanruf mit der Familie starten. Außerdem kann er sich unterhalten und die Beleuchtung, Vorhänge sowie Geräte in Küche und Bad steuern. Preis und Erscheinungsdatum wurden nicht bekannt gegeben. Kameras in Robotern, die sich im Haus bewegen, werfen jedoch erhebliche Datenschutzbedenken auf.
Eine weitere Option zwischen einem humanoiden Roboter in voller Größe und einem arm-losen Assistenten sind Modelle mit Armen und Rädern. Der Roboter CLOiD von LG verfügt über Arme mit 7 Freiheitsgraden und an jeder Hand fünf Finger, die sich jeweils einzeln bewegen lassen. CLOiD kann einfache Aufgaben wie das Falten von Kleidung, das Herausnehmen von Gegenständen aus dem Kühlschrank und das Beladen der Waschmaschine erledigen und dabei auch Smart-Geräte steuern. LG trainiert in Seoul Hunderte CLOiD-Roboter; bis zum Jahresende sollen mithilfe von Nvidia Cosmos-Modellen rund 100.000 Stunden Trainingsdaten erstellt werden, was 12 Jahren entspricht. In Zukunft könnten statt eines einzelnen Roboters Systeme aus verschiedenen Maschinen an Bedeutung gewinnen, die von einer zentralen KI gesteuert werden.
Warum das wichtig ist
In der Debatte über Haushaltsroboter zeichnet sich die entscheidende Trennlinie zwischen einer einzelnen humanoiden Maschine, die alle Aufgaben übernimmt, und der Koordination verschiedener Geräte im Haushalt durch eine gemeinsame künstliche Intelligenz ab. Dieser Ansatz verringert zwar die Notwendigkeit, jede Aufgabe in einer unübersichtlichen und wechselhaften häuslichen Umgebung physisch auszuführen, beseitigt jedoch nicht die Frage, unter welchen Bedingungen Roboter zuverlässig arbeiten. Einsatzbereiche wie die Begleitung älterer Menschen und die Verbindung zur Familie im Notfall zeigen, dass die Technologie nicht nur auf Reinigungs- und Transportaufgaben beschränkt ist; bei Geräten mit Kameras bleibt der Datenschutz wegen der Möglichkeit einer Überwachung innerhalb der Wohnung jedoch ein grundlegendes Thema. Die Notwendigkeit, die Modelle zu trainieren, macht deutlich, dass alltägliche Aufgaben komplexer sind als in Vorführungen. Offen bleibt, in welchem Maß sich diese Systeme hinsichtlich Preis, Sicherheit und Datennutzung an Haushalte anpassen lassen.