Neue Forschungen in den USA haben ergeben, dass hochfrequente „Schwankungen“, die ein Zehntel einer Sekunde dauern, entfernte Regionen des Gehirns synchronisieren und fragmentierte Informationen zu einem einzigen Gedanken oder einer Erinnerung zusammenfügen. Forschende der University of California San Diego zeichneten die Aktivität von 1373 Neuronen im Gehirn von 35 Patienten auf, die wegen therapieresistenter Epilepsie behandelt wurden. Bei Gedächtnistests wurde festgestellt, dass diese Ausbrüche, die 90 Schwingungen pro Sekunde erreichten, gleichzeitig an entfernten Punkten in beiden Gehirnhälften auftraten. Der gemeinsame Rhythmus erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass Neuronen mit einer Entfernung von bis zu 22 Zentimetern gleichzeitig Signale übertrugen, um 30 bis 49 Prozent. Je höher die Gedächtnisbelastung war, desto häufiger wurde auch der Rhythmus. Die Forschenden erklärten, dass der Mechanismus nicht von einem einzigen Kontrollzentrum abhängt.
Warum das wichtig ist
Die Ergebnisse erschweren es, Gedächtnis und Denken als Prozesse zu erklären, die ausschließlich von einer einzelnen Hirnregion gesteuert werden; die zeitliche Abstimmung zwischen verschiedenen Regionen spielt eine entscheidende Rolle bei der Integration fragmentierter Informationen. Dieser Ansatz ist insbesondere für neurowissenschaftliche Forschungen von Bedeutung, die verstehen wollen, wie die Kommunikation im Gehirn mit zunehmender Informationsmenge organisiert wird. Da die Daten jedoch von Patienten stammen, die wegen therapieresistenter Epilepsie behandelt wurden, bleibt die Frage offen, in welchem Maß derselbe Ablauf auch bei Menschen ohne Epilepsie gilt. Außerdem ist zwar zu erkennen, dass der gemeinsame Rhythmus die Informationsübertragung zwischen entfernten Neuronen verstärkt, doch ist noch nicht geklärt, wie dadurch der Inhalt einer bestimmten Erinnerung oder die Bedeutung eines Gedankens entsteht.