Zum Inhalt springen
Deutsch
FikirPilot-Inhalt

Boston trennt sich von Flock, weil das Unternehmen Daten vertragswidrig landesweit weitergegeben hat

Aktualisiert: 15.09.2026 · 2 Min. Lesezeit · 321 Wörter

Veröffentlicht: · Meldung erreichte uns: · Verarbeitungszeit: 2 Min.

Boston trennt sich von Flock, weil das Unternehmen Daten vertragswidrig landesweit weitergegeben hat
Kennzeichenlesekamera

Bostons Bürgermeisterin Michelle Wu gab bekannt, dass die Stadt das Kennzeichenlesesystem von Flock Safety nicht mehr nutzt. Laut Bostons Bericht über Überwachungstechnologien für 2025 testete die Polizei von April bis September etwa 45 Kameras zur automatischen Kennzeichenerfassung. Der Vertrag sah vor, dass nur geschulte Mitarbeiter des Boston Police Department auf die erhobenen Daten zugreifen dürfen und die Datenfreigabe deaktiviert bleibt. In den ersten drei Tagen des Pilotprojekts konnten jedoch andere Strafverfolgungsbehörden aufgrund der von Flock versehentlich aktivierten Funktion „nationwide lookup“ auf Kennzeichen- und Fahrzeuginformationen zugreifen.

Nachdem das Boston Police Department die Situation bemerkt hatte, ließ es die Funktion unverzüglich deaktivieren. Für den Rest des Pilotprojekts wurde der direkte Zugriff auf die Daten gesperrt; externe Behörden mussten einen schriftlichen Antrag stellen. Aus dem Bericht geht nicht hervor, wie viele Behörden auf die Daten zugegriffen haben.

Obwohl Boston auf Flock verzichtete, testete die Stadt weiterhin Technologien zur Kennzeichenerfassung. Die Polizei startete im Februar 2026 mit Motorola und im Juni 2026 mit Axon neue Pilotprojekte. Die Stadt schreibt vor, dass die Anbieter die Daten nicht weitergeben und die Aufzeichnungen nach 30 Tagen gelöscht werden, sofern die Polizei nicht aus rechtlichen oder ermittlungsbezogenen Gründen deren Aufbewahrung verlangt.

Die Electronic Frontier Foundation berichtete, dass Suchprotokolle im Flock-System zeigten, dass Polizisten mit Begründungen wie „LOL“, „LMAO“, „sexy“ und „idk“ auf sensible Standortdaten zugegriffen hatten. Der Organisation zufolge muss zwar seit Ende 2025 eine Straftat aus einer Liste ausgewählt werden, doch es wird kein Nachweis dafür verlangt, dass die Auswahl mit dem tatsächlichen Zweck der Suche übereinstimmt.

Wu sagte, Kennzeichenkameras könnten eingesetzt werden, sofern eine öffentlich gebilligte Richtlinie vorliege, die Privatsphäre und Bürgerrechte schütze. Flock erklärte unterdessen, dass neue Städtepartnerschaften im Jahr 2026 die nicht verlängerten Vereinbarungen im Verhältnis von etwa 10 zu 1 übertroffen hätten.

Hintergrund

Flock ist im Archiv von FikirPilot kein neuer Name: In den vergangenen 90 Tagen haben wir 2 Nachrichten veröffentlicht, in denen dieser Name vorkam; die jüngste stammt vom 1. September 2026.

Quelle: Ars Technica