Die erste Verhandlung im Prozess gegen den ehemaligen Chefredakteur von Habertürk TV, Mehmet Akif Ersoy, hat vor dem 19. Schweren Strafgericht in Istanbul begonnen. Ihm werden „Gründung und Führung einer kriminellen Vereinigung“, „11-facher qualifizierter sexueller Übergriff“, „Handel mit oder Beschaffung von Betäubungs- oder Aufputschmitteln“ sowie „Erleichterung des Betäubungsmittelkonsums“ vorgeworfen. Die Anklageschrift gegen Ersoy, der am 11. Dezember vergangenen Jahres inhaftiert worden war, und insgesamt 7 Personen war dem Gericht am 20. Mai vorgelegt, an die Staatsanwaltschaft zurückverwiesen und nach einer Überarbeitung angenommen worden. Für Ersoy wurde eine Freiheitsstrafe von 11 Jahren und 3 Monaten bis zu 286 Jahren und 2 Monaten beantragt. Die Verhandlung wurde unter Ausschluss der Presse und der Öffentlichkeit abgehalten. Veyis Ateş, der am 7. September aus der Haft entlassen worden war, erschien als Zeuge.
Warum das wichtig ist
Dass das Verfahren mehrere Angeklagte umfasst, bedeutet, dass das Gericht nicht nur die Vorwürfe gegen Mehmet Akif Ersoy, sondern auch Handlungen gemeinsam bewerten wird, die mutmaßlich mit anderen Personen in Verbindung stehen. Dass die Anklageschrift nach ihrer Vorlage beim Gericht an die Staatsanwaltschaft zurückverwiesen, überarbeitet und anschließend angenommen wurde, zeigt, dass das Verfahren in formeller Hinsicht eine zusätzliche Prüfungsphase durchlaufen hat. Da die Verhandlung nicht öffentlich stattfindet und die Öffentlichkeit deshalb die Beweise und Aussagen der Parteien in dieser Phase nicht unmittelbar verfolgen kann, gewinnen die Erklärungen, die das Gericht im weiteren Verlauf abgeben wird, an Bedeutung. Die Vernehmung von Veyis Ateş als Zeuge lässt hingegen die Frage offen, wie seine Aussagen mit den übrigen Beweisen in der Akte verknüpft werden und welches Gewicht das Gericht ihnen beimessen wird.