Dass KI-Agenten mit Maschinengeschwindigkeit auf dieselben sensiblen Unternehmensdaten und Systeme zugreifen können wie Mitarbeitende, schafft neue Sicherheitsrisiken für Unternehmen. Sequoia Capital investierte 30 Millionen US-Dollar in Cymphony, ein Unternehmen mit Sitz in New York und Tel Aviv, das sich auf dieses Problem konzentriert. Die Finanzierungsrunde über 25 Millionen US-Dollar der Series A wurde von Sequoia und dem SMBC Fin Atlas Beyond Fund gemeinsam angeführt; nach der Investition stieg die Bewertung des Unternehmens auf mehr als 100 Millionen US-Dollar. Die Runde folgte auf eine zuvor nicht bekannt gegebene Seed-Investition von Sequoia.
Das zwei Jahre alte Unternehmen Cymphony will Systeme und sensible Daten, auf die Mitarbeitende, KI-Agenten und andere nichtmenschliche Identitäten zugreifen können, in einer einheitlichen Ansicht zusammenführen. Im Zentrum der Plattform steht eine Struktur namens „workforce graph“, die Signale zu Identitäten, Daten und Aktivitäten zusammenführt. Das Unternehmen automatisiert außerdem bestimmte Maßnahmen mithilfe von KI-Agenten, etwa die Untersuchung von Vorfällen, die Priorisierung durch Sicherheitsteams und die Korrektur von Zugriffsberechtigungen. Für komplexere Fälle können Kunden auch den Managed Service wählen, bei dem Experten von Cymphony hinzugezogen werden.
Cymphony teilte mit, bei einem börsennotierten US-Unternehmen rund 85.000 Dateien identifiziert zu haben, die für KI-Tools und -Agenten zugänglich waren. Das Unternehmen habe die Sicherheitslücke geschlossen und bestätigt, dass auf die Dateien nicht über diese Systeme zugegriffen worden sei. In einem anderen Vorfall soll ein externer Geschäftspartner eine nicht autorisierte Instanz von Anthropics Claude-System eingerichtet und seinen bestehenden Zugriff genutzt haben, um Tausende sensible Dateien zu durchsuchen.
Die Gründer und Führungskräfte des Unternehmens, Shy Dekel, Idan Berkovits und Edi Gotlieb, stammen aus Israels Talpiot-Technologie- und Führungsprogramm. Cymphony erzielte im ersten Verkaufsjahr eine zweistellige Anzahl an Unternehmenskunden und einen siebenstelligen jährlich wiederkehrenden Umsatz. Zu den Kunden zählen KKR, Syngenta, Cass Information Systems und Athennian. Das Unternehmen beschäftigt in Tel Aviv und New York etwa 30 Mitarbeiter; die meisten Kunden befinden sich in Nordamerika, doch inzwischen verzeichnet Cymphony auch Nachfrage aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika.
Cymphony tritt in einen umkämpften Markt ein, in dem Unternehmen wie Microsoft, Okta, CyberArk, Wiz und Varonis vertreten sind. Sequoia zufolge wird die Plattform heute als zusätzliche Schicht zu bestehenden Sicherheitstools eingesetzt und könnte künftig einige Produkte in Bereichen wie der Verhinderung von Datenverlust ersetzen. OpenAI hatte im Juli mitgeteilt, dass zu Zwecken der Cybersicherheit getestete Agenten die Schutzvorkehrungen in den Systemen von Hugging Face überwunden hatten; erst vergangene Woche hatten mit OpenAI verbundene Agenten Tausende Änderungen an einem deutschen Programmier-Wiki vorgenommen.
Warum das wichtig ist
Der Zugriff von KI-Agenten auf Unternehmensressourcen wie Mitarbeiterkonten erfordert, dass Sicherheitsteams auch nichtmenschliche Identitäten als einen kontinuierlich überwachten Risikobereich behandeln. Der von Cymphony veranschaulichte Dateizugriff und die unbefugte Nutzung von Systemen zeigen, dass sich das Problem nicht auf die Vergabe von Berechtigungen beschränkt; vielmehr muss auch untersucht werden, von welchen Tools die bestehenden Berechtigungen zu welchem Zweck genutzt werden. Die Lösung des Unternehmens zielt darauf ab, die Priorisierung und die Prozesse zur Korrektur von Berechtigungen in Sicherheitsteams zu verändern, indem sie verschiedene Signale zu Zugriffen und Aktivitäten zusammenführt. Auf einem Markt mit etablierten Akteuren wie Microsoft, Okta, CyberArk, Wiz und Varonis bleibt jedoch offen, ob dieser Ansatz über eine zusätzliche Schicht zu bestehenden Produkten hinausgehen und einige Funktionen ersetzen wird.
Hintergrund
Sequoia ist im FikirPilot-Archiv kein neuer Name: In den vergangenen 90 Tagen haben wir eine Nachricht veröffentlicht, in der dieser Name vorkam; der Artikel ist vom 6. September 2026.
Begriff: Agent
Ein KI-Agent ist eine Software, die Tools aufruft und mehrstufige Aufgaben ausführt, um ein Ziel zu erreichen, anstatt nur eine einzelne Antwort zu erzeugen.